Drei Missverständnisse über Achtsamkeit

Das Wort „Achtsamkeit“ taucht immer öfter in den Medien auf. Das ist schön, weil so immer mehr Menschen darauf aufmerksam werden. Eine Schattenseite ist aber – wie so oft bei einem Hype  – dass der Begriff verwässert und missverstanden wird. Ich komme gerade von einem Achtsamkeits-Seminar und ich kann dir versichern, dass wir nicht nur sanftmütig gelächelt, uns entspannt oder aaaaalles gaaaanz laaaaangsam gemacht haben.

 

Da diese Woche ein von mir geleiteter Schnupperkurs in Salzburg startet, möchte ich gerne ein paar Irrtümer über Achtsamkeit aufklären – damit du weißt, was dich erwartet. Und was nicht.

1. Achtsamkeitsmeditation bedeutet, keine Gedanken mehr zu haben.

Eine erste Reaktion, die ich häufig höre ist: „Meditieren? Hab ich probiert, kann ich nicht. Ich hab einfach zu viele Gedanken, die mich stören. Das klappt nicht, dass das aufhört.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass du leider nicht dem exklusiven Club der Meditierenden beitreten kannst – sondern, dass du ein Mensch bist. Unser Gehirn produziert Gedanken, wie die Lunge atmet und die das Herz schlägt. Die Vorstellung, dass Meditation bedeutet, in totaler Gedankenstille zu verweilen, ist ein Missverständnis. Die Achtsamkeit liegt darin, zu bemerken, dass du denkst, träumst, planst, dich sorgst, abschweifst... und mit Beharrlichkeit, Interesse und Freundlichkeit immer wieder zum gegenwärtigen Moment zurückkehrst. Es ist also keine „schlechte“ Meditation, wenn viele Gedanken auftauchen. Das ist völlig normal. Jeder Tag ist anders. Wahrzunehmen, was ist, das ist ein Teil der Achtsamkeit.

Ich kann dir also versichern: Auch du kannst das.

 

2. achtsamkeit heisst, alles ganz langsam zu machen.

Achtsam durchs Leben zu gehen bedeutet nicht, immer im Slow-Motion-Modus unterwegs zu sein und jede Rosine 50x zu kauen. Das ist weder praktikabel noch sinnvoll. Natürlich gibt es wertvolle Übungen, die uns für ein paar Momente entschleunigen und die kostbare Erfahrung ermöglichen, etwa eine Speise oder ein Objekt mit allen Sinnen zu erleben. Auch die Gehmeditation übt man zunächst häufig in einem langsamen Tempo, um damit vertraut zu werden. Aber auch ein Rennfahrer fährt die Strecke die ersten Male nicht gleich mit der Höchstgeschwindigkeit. Wenn du dich etwas darin geübt hast, deine Sinne zu öffnen, deine Körperempfindungen wahrzunehmen oder deinen Fokus auszurichten, dann kannst und sollst du das auch in deinen Alltag einbauen, in den pulsierenden Rhythmus deines Lebens.

 

3. Achtsamkeit ist eine Selbstverbesserungs-strategie

Jein. So viel ist klar: Es ist nicht mein Ziel, dich in einem Achtsamkeits-Kurs irgendwie besser zu machen. Ich verstehe wenn Menschen aufstöhnen: „Jetzt muss ich schon schlank, schön, sportlich, erfolgreich sein, mich richtig ernähren, mich weiterbilden... jetzt soll ich auch noch gelassen und achtsam sein.“ Noch mehr müssen, sollen, noch mehr Druck, noch mehr auf der To-Do-Liste.

Es wäre gelogen zu behaupten, dass eine regelmäßige Achtsamkeitspraxis nicht auch ein gewisses Maß an Bemühung braucht. Aber Selbstoptimierung ist nicht das Ziel. Es geht nicht darum, noch mehr im Tun-Modus zu rattern. Sondern Achtsamkeit möchte dich in den Seins-Modus holen. Dir eine Atempause ermöglichen – in der du nicht besser werden musst, sondern einfach alles so sein darf, wie es ist.

Das Paradoxe ist, dass die Praxis über die Zeit doch eine positive Wirkung entfaltet und dich gesünder, gelassener und zufriedener werden lässt. Aber im Idealfall fixieren wir uns nicht ehrgeizig auf dieses Ziel, sondern lassen zu, dass sich diese Qualitäten wie von selbst mehr und mehr entfalten.

 

Das sind nur drei der Missverständnisse, die mir immer wieder begegnen... ein anderes Mal erzähle ich dir noch mehr darüber. Und natürlich kannst du auch gerne deine Fragen dazu in einem Kommentar unter diesem Artikel hinterlassen!

 

Wenn du mehr erfahren und erste Übungen ausprobieren, Achtsamkeit erfahren möchtest, dann kommt doch in meinen Schnupperkurs in Salzburg-Aigen.

 

 

Foto: unsplash.com/Coley Christine

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